Mit der Lizenz (zu) töten

Mit der Lizenz (zu) töten

3. Mai 2010 - 18:23 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Ich bin gerade auf einen interessanten Artikel bei unserer Partnerseite gamestar.de gestoßen, der mich zum Nachdenken brachte.

Motivation war die Entziehnung der Erlaubnis der Rechteinhaber von King’s Quest für die Weiterentwicklung des Fan-Games King’s Quest 9.

Die Diskussion ob es den Lizenzhaltern grundsätzlich erlaubt sein sollte über die Art der Verbreitung und die Nutzung der Titel die mit diesen Lizenzen zu tun haben ist sinnfrei. Dennoch finde ich, sollte man sich zumindest ernsthaft mit Fan-Projekten beschäftigen und mit offenen Karten spielen…

 

King’s Quest 9 ist nur einer von vielen Titeln die eines gemeinsam haben: Es handelt sich um Fan-Games die als Homage und/oder Erweiterung von bestehenden Lizenztiteln von Anhängern erstellt wurden.

Leider ist die Liste der Spiele die aufgrund von Lizenz-Problemen untersagt wurden ebenfalls sehr lang. Ich frage mich dabei dann immer warum hier kommerzielle Interessen nicht so ausgelegt werden, das durch Förderung und Unterstützung von Fan-Gemeinden die eigene Marke gestärkt wird?!

 

Leider „verboten“: King’s Quest 9

 

Fans, die sich Monate und sogar Jahre lang engagieren und z.T. fast ebenbürtige, wenn nicht bessere Spiele produzieren als es in teuer bezahlten Teams (für die es manchmal nur „der nächste Job“ ist) als Ergebnis zu erwarten ist, werden hier einfach vor den Kopf gestoßen und da würde ich mich doch als Inhaber einer Lizenz fragen: sind die Schäden die ich dadurch anrichte nicht größer als die ich – beraten durch vermutlich nicht-spielaffine Anwälte – bei Erlaubnis befürchte?

Ich meine manche von den Krativen da draußen haben vorher sogar bei den Firmen angefragt und um Erlaubnis gebeten. Es erfolgte keine Antwort und dann nach Jahren investierter Zeit wird plötzlich mit horrenden Strafen und unverhältnismäßig scharfem Ton eingeschritten.

Ich finde es sehr schade das nicht erkannt wird, wie wichtig eine gute Fanbase ist. Das ist doch letztendlich alles worauf es ankommt, denn wenn man mal ehrlich ist, bietet selbst ein grausam schlechtes Fangame nur Gutes für den Rechteinhaber. Glaubt Ihr nicht? Doch, denn:

 

  • Wenn es lange Zeit mehr kein Spiel aus der Reihe XYZ gab, dann sorgen Fan-Games dafür das ein Serie im Gerede bleibt
  • Man erhält bei einem gut gemachten Game Einblicke darin, was der Fanbase gefällt und was sie gerne sehen würde (und beim potentiell nächsten Bezahl-Titel bereit wäre Geld auszugeben)
  • Bei einem schlechten Game kann man anhand der Fan-Resonanz erkennen was evtl. nicht gut ankommt und was man im nächsten eigenen Projekt tunlichst vermeiden oder besser machen sollte
  • Das eigene Image steigt enorm, wenn man sich als Unternehmen/Rechteinhaber noch mit einbringt oder gar die Fans, die ein Spiel entwickeln, unterstützt
  • Wenn man auf der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs ist sollte man seine Fühler mal nach den Leuten ausstrecken, die z.T. im Alleingang, ohne Geld und mit reiner Liebe zu ihrem Tun ein Game auf die Beine stellen, das andere auf die Ersatzbank verweist.

 

Ich kann es mir nur schwer vorstellen wie es für einen begeisterten Anhänger sein muss, wenn plötzlich sein Hobby und seine Passion verboten werden, nur weil er oder sie vielleicht eine Geschichte erzählen möchte auf die irgendwer irgendwann mal ein Copyright angemeldet hat. Natürlich kann ich Konzerne verstehen die diese Lizenzen für viel Geld erworben haben udn nun nicht wollen das jemand Schindluder damit treibt, aber bei Spielen die ohne komerziellen Charakter und als wirkliche Fan-Games deklariert sind, sollte der Gesetzgeber seinerseits ein Verbot aussprechen, nämlich das Verbot solche Projekte zu verbieten.

In einer Zeit wo ein Großteil aller Leute die im Internet und in der Gamesbranche nur noch Konsumenten sind und immer weniger ernsthafte „Produzenten“ von diesem Kulturgut werden oder werden wollen, frage ich mich ernsthaft warum man aufkeimendem Enthusiasmus solche Riegel vorschieben muss?

Klar könnte man argumentieren „wer Kreativ sein will, sollte was eigenes erfinden und nicht irgendein Spiel das er mal toll fand »kopieren«“. Ich jedoch denke, das gerade dieses „Feuer“ was in jemanden entfacht werden kann, wenn er sich für ein Thema, eine Welt, eine Serie begeistern kann, sehr schnell dazu führt, auch eigene Ideen zu entwickeln und im nächsten Projekt vielleicht ganz neue Wege zu beschreiten. Dies wird aber durch Verbote und Unterlassungsklagen von vornherein verhindert.

 

Positives Beispiel: Baphomet’s Fluch 2.5 ging mit dem Segen des Lizenzgebers an die Öffentlichkeit

 

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Sollten Fan-Games immer ein Dasein im Zwielicht führen müssen, oder sollte man sie schützen? Wie steht Ihr zu Unternehmen die solche Projekte stoppen? Beeinflussen Fan-Games Eure Kauf-Entscheidung bei Lizenz-Titeln? Und beeinflussen solche Verbote im Umkehrschluss ebenfalls Eure Überlegungen Euch einen Lizenz-Titel zu kaufen?

Ich freue mich auf Eure Sicht der Dinge und eine spannende Diskussion zu diesem Thema!