Final Fantasy XIII oder das Treffen der Heulsusen!

Final Fantasy XIII oder das Treffen der Heulsusen!

29. Mai 2010 - 13:23 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Anstatt eines „ordinären“ Reviews gibt es hier mal eine Abarbeitung der Party-Member, mit denen man sich als guter Gamer normalerweise schnell sozialisieren und identfizieren soll. Freud, bringen Sie die Patienten rein!

Endlich gibt’s mal wieder was Neues von der „alten“ Frau und die macht auch noch Hypes rund. Eines aber vorne weg: Ich liebe Final Fantasy! Ehrlich, seit ich das Ober FF Numero VII gespielt habe, kann ich mir mein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Und das Final Fantasy von Tragik und Drama, Drama, Drama lebt, weiß nun auch so ziemlich jeder. Ein weiteres Steckenpferd von Final Fantasy war auch immer, dass die Grenzen zwischen absolutly good und abso-fu**ing-lutly bad nie so wirklich starr und klar gezogen waren. Man konnte mit den Bösen wie einem Sephiroth, einer Edea oder sogar Sin grundsätzlich nachfühlen und ihre Beweggründe irgendwo verstehen. Und was sich Drama schimpft, lebt auch von Hauptfiguren, die eigentlich hinter ihrer fröhlichen oder emotionslosen Maske zutiefst zerrissen sind.

 

Von all dem lebt die Serie. Bis heute. Aber irgendwann, wenn man selbst auch so langsam aus der pubertären Phase raus ist, ist genug einfach genug. Da mag man nicht mehr Leute angucken, die sich winden und mit der Sprache ums Verrecken nicht rausrücken wollen oder erst eine große Bühne für ihren Emotionsausbruch benötigen. Aber Final Fantasy hat es selbst in Teil XIII (Teil XII steht noch ungeöffnet im Schrank…) noch nicht geschafft „Erwachsen“ zu werden. Denn mit dem ich nenn es einfach mal „Familientreffen der Heulsusen“ hat es Square Enix geschafft dem Fass den Boden rauszuhauen, für meinen Geschmack.

Hope


Da wären zum Einen: Hope. Hope dessen Namen noch nie so unpassend war, denn dieses Kind hat so was von keinen Hoffnungsschimmer. Gut, der Junge hat seine Mutter verloren. Dass man dann tierisch durch den Wind ist, ist klar. Dass man dann auch einen Sündenbock braucht, auch noch grad so in Ordnung. Aber statt mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen und sich auszukotzen, tut dieser Junge: erstmal nichts. Und das, was er dann nach einer gefühlten halben Ewigkeit zu Sprache bringt, ist nun auch nicht mehr als ein Japsen. Da sitzt die geneigte Gamerin, voll im Spiel, vorm Fernseher und brüllt: „Mensch, jetzt mach halt mal das Maul uff!!!!“

 

Lightning

 

Dann: Lightning. Hmmmm, kennt noch einer Squall aus Teil VIII? Dieser mundfaule, ich-denk-mir-meinen-Teil, „was auch immer“ monologiesierende Stoffel, aus dem man nichts, aber auch gar nichts rauskriegt? Dieser Typ der so lustlos durch das Spiel stapft wie ein Finanzbeamter im Frühdienst? Nein, kennt keiner mehr? Denkt Euch bei Lightning die weiblichen Attribute weg und ihr habt den Protagonisten aus Final Fantasy VIII. Sie ist dröge und dauernörgelnd. Ein Eisklotz, den ich eigentlich nicht am Bein haben möchte – mein Pech, sie hat leider die Hauptrolle bekommen.

 

Snow

 

Snow: Der hat mir dank seines fröhlichen „Viva la Revulocion!“ am Anfang ganz gut gefallen. Auch die Sturheit, mit der er versuchte seine Braut in spe vor ihrer „Bestimmung“ zu retten fand ich ganz angenehm. Er hat mich chrakterlich an den unerschütterlichen Optimisten Zidane aus Teil IX erinnert. Ich hab ihn also richtig ins Herz geschlossen und gegen die bösen, bösen Anfeindungen von Hope & Lightning verteitidgt – wohlgemerkt immer noch vor dem Fernseher sitzend und L A U T mit den nicht realen Charakteren sprechend!

Das war aber nur bis zu dem Moment der Fall, wo auch er dann einknickte. Auf einmal warf er sich wie eine alte Witwe heulend und lamentierend in den Staub und wiederholte gebetsmühlenartig: „Ich bin an allem schuld, ich bin an allem schuld, ich bin an allem schuld!“ in Abwechslung mit: „Es ist nur meine Schuld, es ist nur meine Schuld, es ist nur meine Schuld!“. Jo, da wars dann auch mit dieser Liebe vorbei….

 

Diese drei machen 50% der Party aus und man spielt in der Anfangszeit zu gefühlt ungefähr 75% mit diesen Leuten – von den 75% gehören Snow etwa 25%, der Rest teilt sich auf die beiden anderen auf. Aber wo Regen ist, sollte der Sonnenschein auch nicht fern sein. Ist er auch nicht. Eigentlich ist es schade, dass man mit den anderen 3 Partymembern nicht so häufig das Vergnügen hat, aber dafür ist es dann auch wirklich >ein Vergnügen<.

Sazh

 

Fangen wir an mit: Sazh. Sazh ist einfach nur toll! Ich nenne ihn manchmal auch liebevoll den „Three-Dog aus Japan“ (weil’s ja ein japanisches Spiel ist). Der Typ ist lässig-locker, zaubert im richtigen Moment die richtigen Worte aus dem Hut und hat einen Vogel! Einen echten Vogel. In der Frisur. Genau, in seinem konischen Afro wohnt ein kleiner Chocobo. Allein schon diese Tatsache macht Sazh für mich richtig liebenswert.

 

Vanille

 

Als Nächstes kommt: Vanille. Vanille ein Name, der Bände spricht. Sie ist Zucker – also richtig Zucker, nicht Kompliment-Zucker, sondern Karies-Zucker. Sie wirkt meistens überdreht und versucht auch in den aussichtslosesten Situation die Leute mit ihrem Sonnenschein-Gemüt aufzuheitern. „Alles wird gut!“ Ein Standard-Spruch von Vanille, naja zumindest zwischen den Zeilen. Das kann Einem ab und an, wenn’s wirklich einfach nur unpassend ist, auf den Keks gehen, aber wirklich böse mit ihr sein? Nein wirklich nicht. Denn sie zeigt auch an der einen oder anderen Stelle ihre sanfte und unquirlige Seite. Sympathisch.

Fang

 

Last not least: Fang. Fang hat nicht nur ein großes (recht hässliches) Tattoo auf dem Orberarm, sondern auch „ne Schraube locker“. Das sagt sie zumindest von sich selbst. Ich glaube ihr einfach mal, auch wenn ich bisher leider nur kurz mit ihr interagieren konnte. Sie passt nämlich von ihrer ganzen aufrechten und direkten Art nicht so recht ins Bild von Final Fantasy. Aber gerade deswegen mag ich sie. Schon allein, weil von sich selbst behauptet, sie habe sie nicht mehr alle am Sträußchen. Ansonsten schert sie sich einen Dreck um die Meinung der anderen. Sie weiß, was sie will und sie hat einen Plan, glaube ich zumindest. Falls nicht, auch egal, hat sie wenigstens gut gefaked!

 

Ich freue mich also jetzt schon wie ein Schnitzel auf die Zeit, wenn ich mir meine Party endlich selbst zusammenstellen darf! Ich weiß
nämlich jetzt schon,wen ich mitnehmen werde. Da das Game ansonsten recht solide gemacht ist und sich außer vom Gameplay bei den Kämpfen, welches nun eher an das Actionbasierte von Kingdom Hearts angenähert ist, nicht viel von vorherigen Teilen unterscheidet. Grundsätzlich ist das Spiel ja nicht verkehrt, auch wenn ich beim Kämpfen manchmal schon stressbedingt die falschen Befehle gegeben habe. Bin halt rundenbasierte Kämpfe gewohnt. Und wer es mit mauligen Teenagern, nörgelnden Feldwebeln und selbstmitleidigen Revoluzzern aushält, der wird sicherlich auch an diesem Final Fantasy seinen Spaß haben können.

 

Oder aber er/sie brüllt den Fernseher an ;-)