GamerGirls im Interview: Kristin

GamerGirls im Interview: Kristin

27. Juni 2010 - 14:30 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Heute im Interview, die 23 jährige Kristin aus Düsseldorf. Sie schreibt auf ihrem eigenen Blog Deja Entendu und dem Gameblog Zockworkorange. Kristin hat sich sehr viel Mühe mit den Fragen bzw. ihren Antworten gegeben und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Stell dich doch bitte kurz vor!
Ich bin Kristin, 23 Jahre alt und aus Düsseldorf. Neben meiner großen Vorliebe für Videospiele und Zockwork Orange lese ich sehr gern einzigartige Bücher, schaue spannende TV-Serien, höre außergewöhnliche Musik und studiere Englisch. Ich gehöre zu den interessierten, aber faulen Studenten, die froh sind, wenn sie der Uni den Rücken kehren können. Nach der ganzen Lernerei (das wird wohl März 2011 sein) möchte ich mich bei diversen Publishern und externen Dienstleistern im Lokalisations-Bereich bewerben und meine English-Skills und Videospiel-Kenntnisse unter Beweis stellen – und das alles hoffentlich im englischsprachigen Ausland.

Wie lange spielst du schon? Erinnerst du dich an dein erstes Spiel?
Meine erste Konsole war der grüne Game Boy Classic, den ich 1995 unter dem Weihnachtsbaum liegen hatte. Man könnte also meinen, ich spiele seit gut 15 Jahren. Ich muss aber auch gestehen, dass ich im Alter von 15 Jahren davon überzeugt war, dass ich zu alt für Videospiele geworden sei und all meine geliebten Konsolen verkauft habe. Ein großer Fehler, wie ich zwei Jahre später festgestellt habe. Wer mitgerechnet hat, sollte also gemerkt haben, dass ich schon 13 Jahre meines Lebens mit Videospielen an meiner Seite verbracht habe.

Mein erstes Spiel war dabei ein Game Boy-Titel der Crazy Castle-Reihe von Kemco: Mickey’s Dangerous Chase – ein simpler Platformer, der mich einige Nerven gekostet hat. Doch erst The Legend of Zelda: Link’s Awakening hat mich zu einem großen Videospiel-Fan gemacht.


Gibt es ein spezielles Ereignis, das dich zum Zocken brachte?

Eher indirekt. Bisher lief es immer darauf hinaus, dass ich eine Konsole oder einen Handheld geschenkt bekommen oder bei jemand anderem angeschaut habe und direkt völlig angetan war. Meiner Meinung nach bedarf es aber auch gar nicht mehr, denn Leidenschaft kann schließlich nur durch anfängliche Begeisterung entstehen – oder wie macht ihr das so?

Auf welchen Systemen spielst du?
Es gibt eigentlich kaum ein System auf dem ich nicht spiele. Ältere Konsolen wie der C64, SEGA Mega Drive oder die Dreamcast stehen allerdings noch auf meiner Wunschliste. Aktuell spiele ich am häufigsten (und liebsten) auf meiner 360, dicht gefolgt vom NDSi, der regelmäßig mit mir ins Bett darf. Weniger oft benutze ich noch mein iPhone, die Wii, meinen PC und ältere Konsolen aus dem Hause Nintendo. Eine PS3 besitze ich leider nicht, die wichtigsten Titel konnte ich bisher aber immer bei einem guten Freund antesten.

Was spielst du im Moment/Was hast du zuletzt gespielt?
Ich konnte mich dem Hype nicht entziehen und probiere mich derzeit an Red Dead Redemption, das mich bisher aber noch nicht überzeugen konnte. Da hat mir zuletzt Alan Wake doch deutlich mehr Spaß gemacht, insbesondere in Bezug auf die fein ausgearbeitete Story mit schönen Wendungen und die eingestreuten Anspielungen auf Filme, Serien und Literatur.


Welche Spiele/Serien haben es dir besonders angetan?

Es gibt zwei Serien, die sich mein Herz teilen: Das wäre zum einen die Fallout-Reihe. Ich hole zwar jetzt erst mit den Vorgängern auf dem PC auf, aber Fallout 3 hat mir unendlich viel gegeben. Etwa 120 Stunden lang konnte es mich mit seiner weiten Welt, seinen tollen Charakteren, seinen versteckten Geschichten, seinem großartigen Soundtrack und seiner Spielmechanik in den Bann ziehen. Der andere Titel wäre Mass Effect (mit großem Augenmerk auf den zweiten Teil der Reihe), das mich insbesondere durch seine vielschichtigen Charaktere und seinem hervorragenden Dialog-System vom Hocker reißen konnte. Nicht umsonst schreibe ich meine Abschlussarbeit an der Uni über die Dialoge in Fallout 3 und Mass Effect 2.

Es wäre aber auch nicht gerecht, wenn ich den Zelda-Spielen einen Platz in meinen liebsten Games verwehren würde.

Wurdest du in deinem Umfeld wegen deines Hobbys schon einmal schief angeguckt?
Eigentlich nicht. Bisher ist mir immer das Gegenteil passiert: Entweder haben die Leute interessiert nachgefragt und sich von mir beraten lassen oder sind gleich in ein ergiebiges Gespräch mit eingestiegen. Glücklicherweise kann mein privates und familiäres Umfeld ebenfalls etwas mit Videospielen anfangen, was die Sache natürlich erleichtert. Spätestens, wenn man an den Punkt kommt, an dem Gaming nicht nur Hobby, sondern auch berufliche Zukunft darstellt, wirkt man meistens überzeugend genug um schiefen Blicken schnell entgegenwirken zu können. Man darf einfach nicht vergessen: Jeder Mensch spielt, und zwar auf seine eigene Art und Weise. Ich habe das Gefühl, das kommt langsam auch in den Köpfen vieler Menschen an, weswegen skeptische Blicke immer seltener werden.

Glaubst du Frauen werden beim Zocken genau so akzeptiert wie Männer?
Um ganz ehrlich zu sein: Das Gender-Thema in Bezug auf Videospiele geht mir manchmal ganz schön auf die Nerven. Die Realität ist, dass es immer schon spielende Frauen gab und dass es diese auch immer geben wird. Erst in den letzten Jahren wird uns wirklich bewusst, dass es auch weibliche Spieler gibt. Das liegt meines Erachtens nach hauptsächlich an den Medien, die unser Bild von Männlichkeit vs. Weiblichkeit immer mehr verschärfen. Natürlich steigt die Frauenquote passend zum Markt etwas an (dazu kürzlich eine Studie: 2/3 aller Online-Spieler sind Frauen), aber die Welt ändert sich ständig und vielleicht reden wir in 100 Jahren darüber, warum GTA XCVI nicht von Männern gespielt wird. Was ich damit sagen will: Videospiele sind an einem Punkt angelangt, an dem Menschen – egal ob männlich, weiblich, jung oder alt – mit Leidenschaft und Stolz den Controller in die Hand nehmen.

Kannst du unseren Leserinnen verraten wie sie am besten reagieren sollen, wenn jemand sie wegen ihres Hobbys kritisch beäugt?
Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer: Bleibt immer ihr selbst, steht zu euren Interessen und gebt jedem Kritiker mit auf den Weg, dass ihr euch wenigstens des menschlichen Spieltriebs bewusst seid, dessen Ausübung in vollen Zügen genießt und nebenbei noch Konzentration, Sehvermögen und Reaktion trainiert – und das ist mindestens so toll, wie regelmäßig zum Sport zu gehen.

Wie oft zockst du? Wöchentlich? Täglich? Nur ab und zu?
Nahezu täglich, dann aber nicht grundsätzlich vom Aufstehen bis zum ins Bett gehen. An einem Tag, an dem ich wenig gespielt habe, hatte ich aber mindestens mein iPhone oder meinen DS für 20 Minuten an. Umfangreicheren Titeln widme ich mich etwa 2-3 Tage pro Woche; in den Semesterferien steigen diese Werte natürlich exponentiell an.

Gibt es irgendwas, das du in der Gamerszene ändern würdest, wenn du könntest?
Es gibt definitiv die eine oder andere Sache, die ich gern an der Gamesbranche ändern würde. Eine positive Änderung in der Gamerszene hingegen wäre, wenn einige Leute ihre Einstellung zu Software-Piraterie ändern würden. Ich sehe durchaus Problematiken mit der Preispolitik einiger Unternehmen, aber es sollte uns passionierten Spielern doch bewusst sein, dass wir trotz allem unser eigenes Gra
b schaufeln (oder unsere Kritikpunkte nähren und verschlimmern), wenn wir nicht das unterstützen möchten, was wir eigentlich so gern haben. Es liegt an uns, den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu machen.

Was denkst du wenn du das Wort „Killerspiele“ hörst?
Eines dieser Worte, das mich völlig kalt lässt. Es bringt doch einfach nichts, sich für oder gegen gewalthaltige Spiele auszusprechen. Ich spiele, was mir gefällt – völlig egal, ob harmlos und niedlich oder brutal und aggressiv. Letztlich sind Spiele Kultur und vor allem eine Kunstform, die sich über verschiedene Wege auszudrücken weiß. Genauso, wie es Menschen gibt, die auf Kunst von Beuys stehen oder würgende Schlangen in Skulpturen ästhetisch finden, gibt es auch Menschen, die extreme Spiele bevorzugen. Wer diesbezüglich tiefer in die Materie dringt, hat seine Kraft für eine Debatte aufgewendet, die nicht nur albern ist, sondern nach einiger Zeit auch irrelevant wird – das haben Bücher und Musik uns bereits vorgemacht.

Kannst du eine gute Spieleverfilmung nennen?
Entgegen jeglicher Aussage hat mir Silent Hill damals nicht sehr gut gefallen, aber bald wird ja Teil 2 verfilmt und der könnte – bei der tollen Vorlage – schon eher was taugen. Ansonsten freue ich mich wahnsinnig auf die Mass Effect-Verfilmung, die von Legendary Pictures (The Dark Knight, 300) produziert wird.

Dann bedanke ich mich hier recht herzlich. :)
Ein dickes Dankeschön zurück!

 

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