Gehirnjogging – Ausgejoggt?

Gehirnjogging – Ausgejoggt?

17. März 2008 - 14:22 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Durch den enormen Erfolg eines gewissen körperlosen Doktors, erscheinen für den Nintendo DS immer wieder neue Denk-, Knobel-, und Trainerspiele. Inzwischen kann man wirklich davon ausgehen das jeder DS Besitzer, der etwas auf sich hält, garantiert mindestens einen davon in seiner Sammlung oder wenigstens schon einmal angespielt hat. Die Spieleflut der neuen Unterhaltungstitel reißt noch immer nicht ab, wie Ubisoft nun mit Gehirntraining beweist.

Noch mehr fürs Gehirn? BUMM!
Laut der Verpackung benutzen wir für gewöhnlich nur 10% unseres Gehirns? Ja das hat mir auch schon der andere Doktor in ähnlicher Form einreden wollen und ich bin wirklich, wirklich froh das meine Gehirnkapazität gerade so zum Review schreiben ausreicht  Selbstverständlich möchte auch ich meine Leistung steigern und so habe ich mich gleich an Gehirntraining gewagt…

Auf den ersten Blick hat Gehirntraining naturgemäß sehr viel Ähnlichkeit mit dem allseits bekannten Spiel „Dr. Kawashimas – Gehirn Jogging“ aus dem Hause Nintendo. Wie soll man auch sonst großartig das bekannte und erfolgreiche Konzept kurzweilig präsentieren? Minimale Unterschiede gibt es natürlich trotzdem. Während Dr. Kawashimas Gehirnjogging eine sehr minimalistische Oberfläche bietet, bringt Gehirntraining wesentlich mehr Farbe auf den Bildschirm.

Mmh Dr. Stevens
Als Mädel wähle ich mit meinem Profil erst einmal zwischen den zwei verfügbaren Trainern den attraktiven Dr. Stevens  Hach… wenigstens hier hat es schon einmal mit einem Doktor geklappt! Im späteren Spielverlauf kann man jederzeit auch zu Frau Dr. Hurley wechseln, falls Stevens doch nicht so die Erfüllung der Träume war und man jetzt eine Freundin zum Reden braucht. Das eigene Profil speichert den Fortschritt eurer Leistungsfähigkeit und ihr könnt für Freunde und Familie bis zu drei anlegen.

Um meine Gehirnleistung hochzuschrauben fange ich mit einem Einstellungstest an, dieser beinhaltet einen Stress- und Gehirntest. Immerhin, Klassenbeste! Auch wenn ich tatsächlich wohl nur 9% meines Potentials nutze… :(. Diesen Wert gilt es wohl für mich in den nächsten Tagen nach oben zu schrauben.

Umfangreicher Gehirntest
Im Bereich „Gehirntests“ befinden sich fünf Themen: „Logik“, „Mathe“, „Merken“, „Visuell“ und „Fokus“. Innerhalb dieser Themenbereiche werden nach und nach über 40 unterschiedliche Aufgaben freigeschaltet. Mit Hilfe von drei Schwierigkeitsstufen kann jedes Training an die eigenen Bedürfnisse weiter angepasst werden. „Leicht“, „Normal“ oder „Hart“ stehen dabei zur Auswahl.

Die verschiedenen Trainingseinheiten sind abwechslungsreich geraten und machen durchaus Spaß. Einige der Gehirntrainings-Einheiten erinnern jedoch schon sehr stark an Nintendos Vorzeige-Doktor. Besser gesagt, bis auf ein grafisches Update sind es so ziemlich die gleichen Aufgaben. Wer sich an das „Personen-marschieren-in-ein-Haus-wieviel-sind-drin“ Spiel erinnert findet es hier mit einer Tankstelle und benzinbedürftigen Autos wieder. Aber auch das ist ja eine Art von Gehirntraining – das Spiel prüft halt einfach nur wie unser Gedächtnis funktioniert  .

Unser Dr. Stevens traut uns nämlich auch nicht über den Weg und fragt zuvor geführte Gespräche ab. Dabei sind es sonst doch die Männer die nicht richtig zuhören.

Stressbewältigung
Neben „Gehirntraining“ gibt es noch eine zweite Hauptkategorie „Stresstraining“ – genau das richtige für mich  Hier gilt: immer die Ruhe bewahren! Ihr findet unter Stresstraining die drei Themen: Autorität, Multitask und Physisch. Neben lauten Geräuschen und käseklauenden Mäusen, die einen die Aufgabenlösung erschweren, gibt es bei einem Spiel auch einen Ersatz für den Doktor. Dieser Choleriker hat gar keine Geduld und versucht einen durch seine verbalen Attacken und Fragen aus dem Gleichgewicht zu bringen, ab und zu haut er dann auch tatsächlich seine Halbglatze gegen die Scheibe  Stevens, Schatz wo bist du?!

Die Bewertung eurer Leistung findet sich als grafische Darstellung wieder und zeigt per Diagramm die (hoffentlich) steigende Leistungskurve. Das Gegenteil ist idealerweise beim Stressdiagramm der Fall, hier gilt es den Stresslevel stetig zu senken. Ausführlichere Statistiken gibt es für alle die es genau wissen wollen auch, hier wird unter anderem das geistige Alter ermittelt – ganz so wie wir es von dem großem Vorbild gewohnt sind.

Multiplayer und Minispielchen
Sehr schön, sogar ein Multiplayer Modus hat es in den Titel geschafft. Leider wird hier für jeden Spieler eine eigene Version fällig. Schade! Hier hätte die Download-Funktion des DS sich doch prima angeboten – die Datenmenge sollte jedenfalls überschaubarer als bei einem Shooter ausfallen.

Weiterhin werden insgesamt 9 Minispielchen geboten. Neben einem simplen Malprogramm zur Entspannung oder Stein, Schere und Papier kann man sich auch ein Aquarium anschauen. Je fleißiger man in seinen Tagesaufgaben ist, desto schneller hat man hier die volle Vielfalt. Mehr als einen netten Bonus stellt dieser Bereich erwartungsgemäß jedoch nicht da.

Mein Fazit
An der technischen Umsetzung sind mir keine große Mängel aufgefallen, im Gegenteil… die Schrifterkennung hat bei mir sogar die dahingekritzelsten Zahlen erkannt  . Die Musik hätte ruhig noch etwas dezenter ausfallen können, stört aber auch nicht übermäßig. Beim Stresstraining war sie dann teilweise schon zu viel – Herzkasper Alarm! Grafisch gefällt mir Gehirntraining von allen Gehirnjogging-Klonen am besten.

Man merkt das Ubisoft seinen Teil vom Kuchen der Gehirntrainer nicht eben einfach mal so vom Tortenheber geschmissen hat und mit deutlich mehr Liebe zum Detail ans Spiel ging als viele Konkurrenzprodukte.

Der Markt ist ja regelrecht überschwemmt und wer wirklich noch keinen Gehirntrainer hat oder Kawashima nicht mehr sehen kann, dem empfehle ich ganz klar Gehirntraining von Ubisoft – allein schon wegen dem smarten Dr. Stevens.