Heavy Metal ist tot! Lang lebe Heavy Metal!

Heavy Metal ist tot! Lang lebe Heavy Metal!

1. Februar 2010 - 01:59 Uhr geschrieben von

Der Metal entstand während der 70er Jahre und erreichte seinen Höhepunkt in den 80ern. Danach wurde es sehr ruhig. Jetzt erfährt diese Musikrichtung durch Tim Schafer eine Renaissance und ein in virtuelle Grafik gegossenes Denkmal, welches jedoch mit Vorsicht zu genießen ist.

Ich weiß, ich weiß, ich bin verdammt spät dran mit meinem Review, doch was lange währt, wird endlich gut, heißt es bekanntlich. Warum ich mir so viel Zeit zum Testen genommen habe, erläutere ich später noch, aber jetzt zurück zum Spiel.

Ich spiele Eddie Riggs (gesprochen von Jack Black), den „besten“ Roadie der Welt. Er kann alles bauen und reparieren. Und er befindet sich in einem Dilemma: „Metal is dead.“ Diese lakonische Aussage beschreibt, wie Eddie sich angesichts der neuen „verpopten“ Rock-Musik fühlt. Am liebsten wäre in den frühen Siebzigern Roadie gewesen, als Musik noch echt war. Auf einmal passiert es dann: Nach einem „Arbeitsunfall“ auf einem Konzert erwacht Eddie in der Welt des“Ormagöden“, das göttliche Metal Monster. Doch diese Welt ist wie immer von machthungrigen, bösen Gestalten bedroht. In diesem Fall heißt der Bösewicht Doviculus und es gilt nichts anderes zu retten als den Rock, bzw. den Heavy Metal an sich!

Um dies zu schaffen schließt sich Eddie der Rebellgruppe um Lars & Lita Halford und der geheimnisvollen Ophelia an, denn er will ihnen mit seiner jahrelangen „Berufserfahrung“ tatkräftig zur Seite stehen.

So weit zur Geschichte. Aber in Brütal Legend kommt es auf die Story selbst weniger an. Was mich an dem Spiel viel mehr begeistert hat, war zum Einen diese sagenhafte Landschaft. Alles was nur irgendwie optisch an die Musikrichtung Metal erinnert, ist in der Landschaft wiederzufinden: Die zum Teufelsgruß gehobene Hand als steineres Memorial, Stachelschweine, deren Stacheln aus Metall sind, „rote Teufelsdornen“ genannte Blumen, die den Spieler auf geheimeSchätze aufmerksam machen, etc. Mir ging es gerade in der Anfangszeit so, dass ich es mehr genossen habe, durch die Gegend zu fahren und die gestalterischen Details zu bestaunen, denn das Spielgeschehen voranzutreiben.

Dann besitzt dieses Spiel Humor. Und davon eine ordentliche Portion. Ich habe von einem Tim Shafer Game, der mich schon mit den skurrilen „Psychonauts“ auf der PS2 begeisterte, nichts anderes erwartet. Mit Jack Black als Sprecher für Eddie tut er überdies sein Übriges. Manches Mal habe ich dermaßen gelacht, dass ich das Spiel unterbrechen musste, um mich wieder zu beruhigen. Und auch die andren Sprecher, die Tim Shafer verpflichten konnte, werden die Herzen von Heavy Metal hörenden Gamern höher schlagen lassen: Ozzy Ousbourne, Lemmy Kilmister, Lita Ford und last not least Rob Halford. Auch der Soundtrack kann sich hören lassen: Mehr als 100 feinste Metalsongs von Bands wie Motörhead, Judas Priest, Manowar, Black Sabbath, natürlich auch Tenacious D. uvm.

Den Songs kann man beim Fahren in Eddies Hot Rod genüsslich lauschen, besondere Perlen allerdings müssen erst aus Erde geborgen werden. Die Stellen des „verschütteten Metals“ sind auf der ganzen Karte verteilt. Das weckt die Lara Croft in mir. Ansonsten hat sich noch kein Spiel zuvor so hingebungsvoll und witzig einem Thema, nein einer ganzen Subkultur, genähert. Allein für die Atmosphäre und die Lachkrämpfe bekommt das Spiel alle meine Daumen nach oben.

Doch wo eitel Sonnenschein sind auch Regenwolken nicht weit entfernt. So toll dieses Spiel ansonsten auch ist und so sehr es auch durch die gesamte Gamingpresse gehyped wurde. Ich habe mittendrin einfach die Lust verloren. „Wie jetzt?“ mag sich da der Eine oder Andere fragen. Ja, es stimmt, ich hab das Spiel förmlich „vergessen“ als weitere unbedingt zu spielende Games auf den Markt kamen. Und ich kann Euch auch sagen woran das liegt. Das Spiel wurde als Action-Adventure mit Echtzeit-Strategie-Elementen bezeichnet. Ich sehe es aber mittlerweile genau andersherum. Ab einem gewissen Zeitpunkt wandelt sich das Action Adventure zu einem Echtzeit-Strategie Titel mit einer Prise Action. Und so ambitioniert ich auch gewesen bin und so sehr ich mir versprochen habe: „Das zieh ich durch!“ So sehr habe ich aber auch gemerkt, dass ich einfach kein Stratege bin und es niemals sein werde. Es ödet mich an. Von daher gesehen konnte ich nicht das halten, was mir das Spiel vollmundig versprach: Mit Freude und Langzeitvergnügen am Ball zu bleiben. Es ging nicht. Ich hab mich dann über die Kleinigkeiten wie das schwammige Lenken des Hot Rods mehr aufgeregt, als dass ich mich mit Freude in die nächste Mission gestürzt habe. Dabei ist und bleibt das Spiel nach wie vor super, nur der Spieler, also ich, war der Falsche.

Mit den letzten Worten zusammengefasst: Wer das Genre RTS mag UND dazu noch einen kleinen Metaler im Herzen trägt und auch im Spiel gerne mal herzhaft lacht, der muss in den nächsten Laden und Brütal Legend nach Hause tragen. Allen anderen sei gesagt: Leiht es Euch erstmal aus und schaut ob Euch die Mischung zusagt, dann dürft auch Ihr beherzt zugreifen. Andernfalls rate ich: Finger weg, es ist nur schade drum.