Guitar Hero 3 – Legends of Rock!

Guitar Hero 3 – Legends of Rock!

19. Mai 2008 - 15:34 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Schnell, anstrengend, frustrierend aber auch motivierend. So kann man das Spielprinzip von Guitar Hero 3: Legends of Rock wahrscheinlich am besten auf den Punkt bringen. Ich habe mir mal die Freiheit genommen :) , meine persönlichen Eindrücke zu Guitar Hero III: Legends of Rock schriftlich festzuhalten.

Gameplay
Die Lernkurve ist steil: wer sich nach der Bewältigung des Karrieremodus auf „leicht“ schon als zukünftigen Rockstar sieht, wird bald aus allen Wolken fallen. Sobald man auf die mittlere Schwierigkeitsstufe hochschaltet rauschen die Noten nur so an einem vorbei. Die zusätzliche (blaue) Taste die hinzukommt erschwert die Fingerkoordination noch mal um einiges. Guitar Hero 3 ist etwas für geduldige Spieler. Viel Blut, Schweiß und Tränen werden fließen, bevor man auch die letzten Songs vernünftig spielen kann. Wer diese Ausdauer und den nötigen Ergeiz mitbringt hat aber gute Karten. Das schnelle Spiel zwischendurch ist auch mit Freunden ein Bringer. Die meisten Leute können im Anfängermodus nach ein paar Übungsrunden schon einiges reißen und es macht einfach Spaß, zusammen, gegeneinander oder abwechselnd zu rocken. Den Onlinemodus konnte ich leider noch nicht ausgiebig testen, da sich fast keine Gegner auf „leicht“ finden ließen. Eventuell war ich aber auch nur zur falschen Zeit online. Alternativ lässt sich mit Hilfe eines Freundescode auch wieder ein „Date“ mit einem Bekannten ausmachen. Das Prinzip ist aus anderen Wii Titeln wie z.B. Mario Strikers Charged oder Endless Ocean ja schon hinlänglich bekannt. Ansonsten gibt’s auch noch den Übungsmodus und das Tutorial. Während ihr im Tut die Grundlagen des virtuellen Gitarrespielens erlernt, könnt ihr im Übungsmodus schwierige Passagen eines Liedes oder ganze Songs in langsamerer Geschwindigkeit ablaufen lassen, um diese im Karrieremodus anschließend besser bewältigen zu können.

Grafik
Die Grafik haut einen nicht vom Hocker, ist aber mehr als solide umgesetzt. Mich persönlich stört der PS2 Port nicht im geringsten, da ich beim nachspielen der „Noten“ sowieso so konzentriert auf das Spielen an sich bin, dass ich auf so was nicht achte. Der kosmetische Aspekt avanchiert hier schnell mal zur Nebensache und das alte Sprichwort „nur die inneren Werte zählen“ kommt zum tragen. Im Karrieremodus werden jeweils nach dem Gewinnen einiger Songs Comic-Zwischensequenzen eingespielt, die ansehnlich und unterhaltsam sind; wenn auch sehr kurz. Insgesamt geht die Grafik aber schnell auf die Augen und diese fangen nach einigen Spielminuten an zu tränen, wenn man etwas empfindlicher ist. Höchstwahrscheinlich rührt das von der irren Konzentration her, die man während des Spielens aufbringen muss.

Sound
Der viel beschrieene „Mono-Bug“ der Wii Version ist für mich kaum wahrnehmbar, da ich eh nicht auf einer großen Anlage, sondern an einem normalen Röhrenfernseher ohne seperate Boxen zocke. Die Lieder sind abwechslungsreich und gelungen. Das Rock-Feeling wird durch die Originalvertonung noch zusätzlich unterstützt. Die Lieder wurden nicht gecovert; die Stücke werden im Original abgespielt. Der Soundtrack an sich ist mit über 70 Songs auch umfangreich ausgefallen. Nervend hingegen ist nach kurzer Zeit das scheppernde Geräusch aus der Wiimote, das erklingt, wenn man eine Seite falsch anschlägt oder nicht das richtige Timing auffährt. Dieser Soundeffekt lässt sich leider auch nicht durch das Ausschalten des Wiimote Lautstärkepegels beheben. Das Geräusch wird lediglich auf den TV übertragen.

Atmosphäre
Das Feeling stimmt einfach, wenn man den hübsch gestalteten Les Paul Gitarrencontroller in die Hände nimmt und losrockt. Die Musik, die Grafik und das Handling fusionieren zu einer guten Atmosphäre, die einen so schnell nicht wieder los lässt. Teilweise fühlt man sich wirklich wie ein echter Möchtegern-Rocker, der sich seinen Weg nach oben bahnt und von Auftritt zu Auftritt besser wird.

Handling
Eine schwierige Sache. Während sich die Songs im einfachen Modus mit drei Fingern spielen lassen, werden ab dem mittleren und schweren Modus ein paar Gänge raufgeschaltet. Eine vierte und fünfte Taste kommen hinzu und die Geschwindigkeit wird drastisch angezogen. Insgesamt sollte man eher der Fraktion Gamer angehören, die aus dem Bauch heraus spielt und nicht nach dem Kopf. Langes Nachdenken ist nicht möglich, hier muss gehandelt werden. Die Details, die das Auge aufnimmt, müssen sofort richtig handwerklich umgesetzt werden. Für manche Leute eine schwierige Aufgabe und auch für mich nicht immer leicht. Gerade wenn der Spieler anfängt darüber nachzudenken, ob er die Gitarre richtig hält, die Starpower aktivieren soll etc. verpasst er schnell so manche Akkorde. Diese rauschen erbarmungslos weiter und man sollte wirklich fokussiert spielen, um nicht den Faden zu verlieren und so etliche Punkte zu verschenken. Ansonsten lässt sich sagen, dass die „Starpower“ nur sehr schwer zu aktivieren ist. Man hat dabei zwei Möglichkeiten: entweder den Gitarrencontroller hochheben oder die Minus-Taste auf der Gitarre zu drücken. Beides ist umständlich und lenkt stark vom eigentlichen Spielen ab, was zum zwangsläufigen Verspielen führt. Man sollte dieses Feature also wirklich nur aktivieren, wenn man sich sicher ist, dass man die aktuelle Passage beherrscht, oder aber gerade eine ruhige Sekunde hat. Das Tremolo kann man hingehen vollkommen vernachlässigen. Außer dem Verzerren des Sounds passiert nichts: keine Extrapunkte für diese kleine Sondereinlage.



Fazit

Das Game motiviert unglaublich, holt einen aber auch schneller als man denkt zurück auf den Boden der Tatsache. Ich bereue es nicht, mir das Spiel gekauft zu haben, da es immer wieder für eine Runde zwischendurch gut ist. Da ich es für 50 Euro erstanden habe bin ich auch nicht enttäuscht. Leute, die ganze 90 Euro ausgeben wollen und zudem nicht frustresistent sind, kann ich vom Kauf eher abraten. Diesen Ritt sollte man sich nur zumuten, wenn man viel Geduld und Ehrgeiz mitbringt. Wenn dies der Fall ist werdet ihr mit einem bombastischen Soundtrack, netten Multiplayer-Duellen und einem (bei entsprechenden Vorraussetzungen) reizvollen Onlinemodus belohnt.