No More Heroes – Für die Wii

No More Heroes – Für die Wii

24. Mai 2008 - 16:16 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Man mag es bei all den Casual-Games gar nicht wirklich glauben, aber es gibt sie noch: die außergewöhnlichen, wahnsinnigen Perlen abseits des Mainstreams, die sich gnadenlos in die Gehirnrinde bohren. NMH schreckt in den ersten 10 Minuten gewaltig ab: Grafik auf PS1 Niveau, öde Umgebungen und primitive Feinde, deren KI wirklich dem Fass den Boden ausschlägt.

Das Tutorial ist sterbenslangweilig und reizt einen zum Gähnen. Aber dann geht’s rund: ab dem ersten richtigen Endboss-Battle gegen “Heavy Metal” verschlägt es einem den Atem! Die Zwischensequenzen geizen nicht mit lustigen Einfällen, Verunglimpfungen des Gegenübers und gnadenloser Arroganz von Seiten des Emporkömmlings Travis Touchdown. Da wird geprotzt und geprahlt, bis einem Hören und Sehen vergeht. Der Kampf gegen Shinobu, Destroyman, Dr. Peace und Konsorten gestaltet sich als bemerkenswert leicht, eine richtige Taktik müsst ihr nicht wirklich austüfteln – hier geht es nur um’s impulsive Draufhauen im vermeintlich richtigen Moment. Nach einer gewissen Zeit entwickelt ihr ein gutes Gefühl hierfür. Von nun an läuft das Ganze in folgendem Takt ab: Geld verdienen mit (leicht) nervigen, sich wiederholenden Nebenjobs, nebenbei Klamotten und neue Laserschwerter einkaufen, sich zum Boss durchmetzeln und diesen niederschmettern. Schon nach kurzer Zeit werdet ihr bemerken, dass ihr gar nicht mehr nachdenkt: No More Heroes bedeutet Kopf ausschalten, das Hack’n’Slay Gameplay genießen und einfach nur noch mit einem breiten Grinsen die Wiimote schwingen. Genial, wenn auch furchtbar simpel. Leute, die einfach nur lachen und sich amüsieren wollen und keinen Wert auf wirklichen Charakteraufbau und eine ausgefeilte Storyline legen, werden hier bestens bedient.

Aber worum geht’s eigentlich genau? Der liebenswerte Durchschnittstyp Travis Touchdown lernt in einer Bar die bezaubernde Silvia Christel kennen und hat von nun an nur einen, nicht ganz jugendfreien Gedanken… Das japanisch/ukrainische Mädel mit starkem Akzent macht es Travis aber nicht so leicht. Erst soll er die 10 besten Attentäter Amerikas unter den Torf bringen, um ihre volle Aufmerksamkeit zu gewinnen. Unser Held denkt gar nicht erst groß nach, sondern stürzt sich kopfüber in’s Abenteuer. Er meldet sich bei einer Organisation an, die die sogenannten “Rang-Kämpfe” mit den Attentätern arrangiert. Natürlich nicht umsonst. So ist Travis schnell mal 200 000 $ als Startgebühr los.

Mit jedem Kampf erhöht sich der Betrag um 50 000 $. Zudem fordert die Firma ihn immer energischer auf, endlich das Geld zu überweisen. Aussteigen ist nach kurzer Zeit schon nicht mehr drin. Von jetzt gibt’s nur noch den Weg nach vorne: Das Geld für die Duelle verdient ihr mit Nebenjobs wie streunende Katzen einfangen oder Minen am Strand von Santa Destroy (so der Name des imaginären Schauplatzes) ausfindig zu machen. Seid ihr erfolgreich, schaltet ihr neue Jobs frei, die sich auf den Assassinenbereich fokussieren und als Gegenleistung mehr Geld einbringen. So pendelt ihr hin und her zwischen Minijobs, Duellen mit Profikillern, Shopping und nett gestalteten Zwischensequenzen. Der Hauptprotagonist und seine Duellpartner werden sehr charismatisch dargestellt während der Cutscenes und versprühen viel eigene Persönlichkeit.

Alles in allem ist No More Heroes ein Fest für Actionfans, die eine Wii ihr Eigen nennen. Wer große spielerische Abwechselung sucht, den Cell-Shading-Grafikstil nicht mag und nichts mit tumber “Hau-Drauf-Action” anfangen kann, ist mit No More Heroes schlecht beraten. Hack & Slay Fans, die nach einem witzigem und eigenwillig geartetem Game mit gewissem Stil und gutem Einbezug der Wiimote suchen, sei der Titel wiederrum an’s Herz gelegt!

Ein kleiner Einblick: