Zeit, die grauen Zellen anzustrengen!

Zeit, die grauen Zellen anzustrengen!

22. Juni 2008 - 19:13 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Ich habe “Think – Training für den Kopf” für den DS auf’s Tuch gefühlt und eine kleine Review zur “Dr. Kawashima’s Gehirn-Jogging” Konkurrenz verfasst. Lohnt es sich, sein grauen Zellen mit dem Logik Trainer auf Trab zu bringen oder geht der virtuellen Schule schon in der zweiten Runde die Puste aus?

Zu Anfangs begrüßt euch ein an Einstein erinnernder Professor, der euch auffordert, euren Namen zu verraten. Gesagt, getan. direkt danach geht’s auch schon los: ihr landet im Hauptmenü und habt von nun an die Wahl, was ihr zuerst tun wollt: ihr könnt eure kognitiven Fähigkeiten im “Training” schulen, euren “Think-Quotienten” (Intelligenz-Quotient) ermitteln oder euch euren Fortschritt gegenüber früheren Trainingsstunden anzeigen lassen. Ansonsten gibt’s noch einen Mehrspieler-Modus, den ich auf Grund fehlender Mitspieler nicht testen konnte.
Wählt man den Menüpunkt “Training” an, unterteilt dieser sich wiederrum in verschiedene Bereiche: Sprache, Gedächtnis, Mathematik, Räumliches Denken, Auffassung und Logik. Wählt man nun z.B. den Aspekt “Sprache”, hat man die Wahl zwischen drei verschiedenen Testspielchen in Form von Analogien, Sprachverständnis und Wortfindung. Während man bei dem Punkt “Analogien” Wörter kombinieren muss, die miteinander harmonisieren, wie etwa “heiß und kalt” usw., muss man beim Sprachverständnis geschickt deutsche Redewendungen a la “Tee trinken und abwarten” oder “Kein Preis ohne Fleiß” aus verdrehten Worten zusammensetzen. Bei der Wortfindung geht es um Matrizen, in denen sich inmitten von unzähligen Buchstaben ein Wort versteckt, dass ihr finden und markieren müsst.


Im mathematischen Bereich gibt es wiederum die Möglichkeit, das eigene Kopfrechnen zu verbessern, mathematische Formeln, die mit Hilfe von Streichhölzern dargestellt werden, zu korrigieren etc. Ingesamt finden sich so in jedem Unterbereich 3 Aufgaben, die es zu meistern gilt. Dabei fällt auf, dass der sprachliche Aspekt zu kurz kommt und das Hauptaugenmerk während der Spielentwicklung den mathematischen Fähigkeiten des Spielers galt. Wer eher zum sprachlichen Bereich tendiert, sollte sich der Ausrichtung des Spiels also vorher bewusst sein.

Die Aufgaben werden jeweils kurz vorher vom “Think”-Maskottchen erklärt, was meistens aber eher zur Verwirrung führt, als das es hilfreich ist. Meistens muss man die Aufgabe erst sehen, um sie zu verstehen. Selbst dann bleibt aber so mancher Trainingspunkt unklar. Eine Fehlerberichtigung nach Beendigung eines Spiels wäre hilfreich gewesen, um zu sehen, woran es gehapert hat. Dies ist zugleich auch der größte Negativpunkt des Games. Wer damit leben kann, dass die Lösungen im Dunkeln bleiben, sollte sich an diesem Kritikpunkt nicht weiter stören.

Stürzt ihr euch direkt auf die Ermittlung eures “Think-Quotienten” und ignoriert das Training, habt ihr die Wahl zwischen der Marathon-, Sprint- und Olympiaden-Version. Dabei fällt kein Unterschied auf. Das Programm stellt euch zufällig ausgewählte Aufgaben aus allen Bereichen und ermittelt am Schluss, wie schnell ihr reagiert habt und ob eure Angaben korrekt waren. Schlussendlich stellt sich heraus, ob ihr laut des Programms schlau oder eher “nicht so gebildet” seid. Ob man diesen Angaben wirklich zu 100 % vertrauen kann, sei dahingestellt. Einem “richtigen” Intelligenztest bei einem Psychologen solltet ihr eher vertrauen und selbst dieser ist von eurer Tagesform abhängig und variiert stetig etwas.
Desweiteren könnt ihr noch euren Fortschritt anzeigen lassen. Anhand eines Diagramms wird euch demonstriert, ob ihr euch gegenüber früheren Trainingseinheiten verbessert oder verschlechtert habt. Dabei könnt ihr wählen, ob ihr euch eure Veränderung für jeden einzelnen Bereich anzeigen lassen wollt, oder für euren Think-Quotienten, der alle Aufgaben wiederspiegelt.

Die Grafik ist mehr als schlicht, was bei Trainingsprogrammen aber nicht weiter verwunderlich ist. Hier geht es nicht um optische Protzerei, sondern um’s schnelle Auffassen und Umsetzen von gestellten Aufgaben. Animationen gibt’s weniger und Effekte schon mal gar nicht. Der Professor wackelt höchstens mal mit dem Kopf oder Sport treibende Figürchen stellen diverse Bewegungen im schwarz/weiß Look dar, das war’s aber auch schon.

Der Sound besteht aus einem einzigen Lied, dass sich in der Endlosschleife wiederholt und spätestens nach einer Stunde anfängt, leicht zu nerven. Dreht am besten den Ton eures DS aus. Ein paar alternative Jingles wären lobenswert gewesen.

Das Handling lässt mich hingegen mit einem dicken Fragezeichen zurück, da die Touchpen Erkennung zwischen “sehr gut” und “grottenschlecht” schwankt. Gerade bei Aufgaben, in denen ihr Wörter auf das Display schreiben sollt, hapert es bei manchen Buchstaben und ihr müsst das Wort zehnmal korrigieren, was wiederum Zeit kostet und euch im Endeffekt unnötig Punkte abzieht. Gerade die Erkennung der Buchstaben “M” und “N” treibt einen in die Verzweiflung. Hier ist viel Geduld und guter Wille von Nöten. Die Erkennung von Zahlen ist wiederrum gut geglückt und verläuft weitgehend reibungslos.

Das Fazit

Die Übungsstunden sind schnell ausgereizt und schon nach kurzer Zeit vergeht euch die Lust auf das mentale Training. Wer zudem kein Mathe mag, ist hier komplett falsch aufgehoben, da sich das ganze Spiel hauptsächlich auf Minispiele stützt, die stark mit der Mathematik zu tun haben. Die sprachlichen Aspekte sind etwas kurz geraten und für Spieler, die in naturwissenschaftlichen Fächern nie besonders gut waren, ist das Game frustrierend. Spieler mit sprachlicher & kreativer Begabung sind mit “Think” falsch aufgehoben, da sie in diesem Spiel kaum ihre positiven Fähigkeiten einsetzen können, was wiederum zu hauptsächlich schlechten Ergebnissen führt und den Zocker demotiviert. Er bekommt das Gefühl, “dumm” zu sein und beendet das Training schnell. Dieses Gefühl stellte sich nicht nur bei mir ein. Ich habe mehrere Leute ein paar Runden spielen lassen, um auszuschließen, dass es nur an meinem persönlichen Geschmack liegt. Mitmenschen mit mathematischer Begabung fuhren durchwegs gute Ergebnisse ein, während ihre eher sprachlich begabten Gegenspieler nach kurzer Zeit gefrustet waren.

Da es “Dr. Kawashima’s Gehirn-Jogging” und “Big Brain Academy” zum gleichen Budget-Preis von circa 30 Euro gibt, solltet ihr euch den Kauf ernsthaft überlegen. Nur absoluten Edutainement-Fans mit schmalem Geldbeutel und mathematischer Begabung spreche ich eine Kaufempfehlung aus. Allen Anderen kann ich ein Probespiel an’s Herz legen.