Schnapp sie dir alle!

Schnapp sie dir alle!

22. Juli 2008 - 15:56 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Das Wii-Spiel Eledees (in Amerika: “Elebits”) gehört zu der Sorte Software, die zügig und ohne Probleme zwischendurch konsumiert werden kann. Quasi der schnelle Kick, der keiner intensiven Einarbeitung bedarf, im Gegenzug aber auch eher geringen Tiefgang bietet. Doch ist das zwangsläufig schlecht? Ich habe dem Titel auf den Zahn gefühlt…

Inhalt
Eledees war für mich ein typischer Schnäppchenkauf: viel Gutes drüber gehört, zum Vollpreis wollte ich dann aber doch nicht zuschlagen. Nach einiger Zeit fand ich das Spiel im örtlichen Gamestop für 15 Euro auf dem Wühltisch. Doch was verbirgt sich nun eigentlich hinter dem quietschbunten Cover? Vom Design her erinnern die lustigen, kleinen Kerlchen an Nintendo’s hauseigene “Pikmin”, die auf dem Gamecube zwei Auftritte in Softwareform hatten. Das Spielprinzip der beiden Titel lässt sich aber nicht annähernd miteinander vergleichen. Während es in “Pikmin” um das Sammeln von Raumschiffteilen und die Aufzucht der kleinen Wichte geht, dreht sich in Eledees alles um das Fangen eben jener. Die kleinen Tierchen haben einen entscheidenden Vorteil: sie liefern den Menschen Strom. Böse Atomenergie oder die Naturidylle zerstörende Windräder gehören der Vergangenheit an. Die Eledees haben sich in den natürlichen Alltag der Menschen integriert und leben mit ihnen im friedlichen Einklang. Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz. Eines Tages schlägt ein gewaltiger Blitz ein und die Eledees fangen an, sich seltsam zu verhalten. Entweder verstecken sie sich in allen möglichen Ritzen (selbst die Toilette muss herhalten) oder werden aggressiv gegenüber den Menschen. Ihr schlüpft nun in die Rolle des 10-jährigen Kai’s, der immer schon ein Problem mit den kleinen Stromlieferanten hatte. Er kann sie nicht ausstehen, weil seine Eltern sich schon immer mehr für die Forschung an den Eledees interessiert haben, als für ihn. Nun ist seine Chance gekommen, ein für allemal Schluss zu machen mit den lästigen Hausbesetzern: Strahlenpistole gezückt und auf zum Eledees-Fang, da seine Eltern gerade außer Haus sind. Nun ist es die Aufgabe des Spielers alle Eledees im Haus und später auch in der Nachbarschaft einzufangen.

Die Störenfriede können sich überall verstecken: in Schubladen, im Ofen, im Fön oder in einer Pizzaschachtel. Meist verraten sich sie sich durch ein Wackeln des Objektes, in dem sie sich befinden. Solltet ihr keine verdächtige Bewegung entdecken, bleibt nur eins: alle Gegenstände in Reichweite durchschütteln, umdrehen oder durch den Raum schleudern. Dabei solltet ihr aber je nach Aufgabenstellung des Levels mal mehr, mal weniger vorsichtig sein. In manchen Stages dürft ihr einen bestimmten Lärmpegel nicht überschreiten; in einem anderen geht es darum, möglichst wenig zerbrechliche Gegenstände zu zerdeppern. Das ist auch gut so, denn so kommt etwas Abwechslung auf den Spieler zu. Im Großen und Ganzen geht es aber um ein- und dasselbe: innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine bestimmte Anzahl an Eledees zu fangen. Sobald ihr die Aufgabe bewältigt habt, wird euch eine Note nach dem amerikanischen Schulsystem zugeteilt (A, B, C usw.). So haben ehrgeizige Spieler auch nach Abschluss des eigentlichen Geschehens einen Anreiz, alle Level erneut durchzugehen, um sich zu verbessern.

Es gibt übrigens verschiedenfarbige Eledees: während euch blaue und orange farbene Gesellen Punkte gut schreiben, schalten rosafarbene Wichte neue Spielmodie frei. Gelbe liefern wiederum ein Upgrade für euren Fangstrahler; sammelt ihr genug der sonnenfarbenen Eledees ein, seid ihr schon bald in der Lage, schwerere Gegenstände zu bewegen und umherzuschleudern. Mit steigender Punktzahl durch massig eingesammelte Eledees schaltet ihr innerhalb eines Levels neue Räume frei, in dem sich wie von Zauberhand Türen öffnen oder vorher außer Betrieb gewesene Geräte finden plötzlich wieder zu neuem Leben. Zwischen den “normalen” Abschnitten erwarten euch auch kleinere Endboss-Kämpfe, in dem ihr ein besonders starkes Eledee einfangen sollt. Vorher muss es aber erstmal ordentlich geschwächt werden; am besten durch Gegenstände, die ihr auf es schleudert.
Wem das immer noch nicht genug ist, der kann mit Freunden im Multiplayermodus auf gemeinsame Jagd gehen und versuchen, mehr Eledees als der Spielpartner zu fangen. Nichts besonderes, aber gerade für kleinere Mitspieler ein großes Vergnügen, da es nicht besonders schwer zu erlernen ist und im bunten Knuddellook daherkommt. Außerdem besteht die Möglichkeit, eigene Level im Editor zu basteln und diese dann an Freunde innerhalb des eigenen Wii-Adressbuches zu versenden.

Steuerung
Konami hat im Vorfeld damit geworben, dass Eledees komplett auf die Wiimote zugeschnitten sei. In der Aussage steckt etwas Wahres, aber prinzipiell wurde hier etwas geschönt. Es wäre noch mehr machbar gewesen mit Nintendos Steuereinheit, zum Beispiel hätten Schlagbewegungen oder ein Schütteln der Wiimote implementiert werden können; aber so wie es die Bedienung jetzt ist, ist sie schon sinnvoll und erfüllt ihren Zweck. Eledees werden mit Hilfe des Wiimote Pointers anvisiert und mit Hilfe der A- oder B-Taste eingefangen. Wenn ihr den jeweiligen Button gedrückt haltet, seid ihr in der Lage, Drehbewegungen auszuführen, um z. B. Türen zu öffnen, oder Gegenstände in die Luft zu heben und auf den Kopf zu stellen. Die Steuerung geht insgesamt flott von der Hand und ist schon nach kurzer Einarbeitung verinnerlicht. Prima, so sollte es sein!
Generell bleibt die Wii deutlich unter ihren technischen Möglichkeiten. Sicherlich darf man nicht von jedem Wii-Spiel erwarten, dass es einem grafischen Referenztitel wie Mario Galaxy ernsthaft Konkurrenz macht, aber ein wenig mehr wäre da bestimmt drin gewesen. Die Texturen wirken etwas unscharf und verwaschen, was bisweilen etwas störend in’s Auge fällt, genau wie die Detailarmut. Für kleine Zocker dürfte das aber nicht weiter störend sein, denn hier geht’s schließlich um Spaß und nicht um die neueste Techdemo. Storysequenzen werden in Illustrationen dargestellt, die farblich zuckersüß ausgefallen sind.

Sound
Die Musik ist unaufdringlich und wird schon bald zur Nebensächlichkeit, was aber nicht weiter schlimm ist, da die einzelnen Songs eher nach Fahrstuhlmusik klingen. Hier herrscht das gleiche Prinzip wie bei der Grafik: Mittel zum Zweck. Ansonsten quietschen die Eledees munter vor sich hin und geben alle möglichen hohen Töne von sich. Das hört sich relativ süß an und bringt einen immer mal wieder zum schmunzeln. Die englischen Stimmen in Zwischensequenzen sind hingegen nicht mein Fall: die Kinderstimme von Kai ist so hoch, dass mein Trommelfell allergische Reaktionen zeigt. Spieler mit Kitsch-Phobie sollten einen Sicherheitsabstand einhalten. Da diese Storysequenzen aber eher rar gestreut sind, stellen sie kein sonderliches Hindernis dar und sind kein Grund, dass Spiel von Anfang an zu meiden.

Fazit
Eledees ist süß. So süß, dass es für manche schon direkt klebrig sein könnte. Mich stört es nicht: Eledees ist ein Zock-Snack für zwischendurch. Du hast keine Lust auf tiefgehende Spiele, die stundenlanger Eingewöhnung bedürfen? Du hast Bock auf ein Game, was man immer mal für ein paar Minuten zwischendurch rausholt, um sich zu amüsieren? Du hast kein Problem mit Bonbongrafik und Qietschesounds? Dann ist Eledees dein Spiel. Da der Titel schon etwas älter ist, bekommt man ihn mittlerweile auf dem Grabbeltisch für wenige Euros. Für mich ist es kein Spiel, das ich zum Vollpreis gekauft hätte, aber für den günstigen Zock zwischendurch genau das Richtige. Da absolut keine Gewalt in dem Titel vorkommt, ist es auch für ganz junge Spieler zu empfehlen. Ihr könnt eurer Kind ruhig mal unbeaufsichtigt eine Runde Eledees zocken lassen, ohne die Befürchtung zu hegen, es könne zum gemeingefährlichen, blutr&uum
l;nstigen Zombie mutieren ;).