A Vampyre Story – Eine bissge Angelegenheit!

A Vampyre Story – Eine bissge Angelegenheit!

2. Dezember 2008 - 17:32 Uhr geschrieben von Dai-Lee

Vampirgeschichten sind mir die Liebsten  ! Tagsüber schlafen, Abends aus der Gruft heraussteigen und ein Dasein als wandelnde Untote fristen – aber keine Angst – diese Geschichte ist anders. Lange ist es her das ich ein richtig tolles Adventure in den Händen halten konnte. Das Click & Point Adventure „A Vampyre Story“, welches sich erfreulicher Weise an altbekannter Steuerung orientiert, hat es mir angetan und ich konnte mich selbst vom schaurig-schönen Vampir-Treiben überzeugen.

Arme, arme Mona
Mona De Lafitte hat einen Traum: irgendwann will sie eine berühmte Opernsängerin werden.
Dem steht auch nichts im Wege, bis sie eines Tages ausgerechnet auf den kleinwüchsigen Vampir-Baron Shrowdy von Kiefer trifft. Dieser versucht alles um sie um den Finger zu wickeln… und leider (oder für uns Spieler zum Glück) gelingt es ihm auch durch Überzeugungsmethoden mit “Biss”.
Verwandelt in einen Vampir ist Mona nun totunglücklich, denn sie wird zu allem Überfluss auch noch in Shrowdy’s Schloss festgehalten. Traurig  ! Einziger Lichtblick in ihrem Leben ist ihr treuer Begleiter die Flermaus Froderick – ein niedlicher kleiner Zeitgenosse, der es sich niemals nehmen lässt seinen Kommentar abzugeben.

Das Abenteuer

Wer zufällig weiß wie es ist ein Vampir zu sein, der eben diesen einschneidenden Umstand an seinem “Leben” gerne ungeschehen machen würde, der wird mit Mona mitfühlen wenn sich diese aus ihrer Haut zu reden versucht. Froderick selbst ist dabei nicht unbedingt die größte Hilfe; streut dieser doch immer wieder Salz in die blutarme Wunde.

Der Wortwitz mit mal mehr, leider aber auch mal weniger lustigen Sprüchen, begleitet die Reise unserer Protagonistin auf dem Weg aus dem Schloss und auf ihrer Reise durch die Welt der Lebenden. Wie in klassischen Adventures üblich, ist das Vorankommen in der Story an das Lösen von verschiedenen Rätseln geknüpft. Die Macher verstanden sich dabei gut auf Kombinationsrätsel, denn erst nachdem man das Schloss komplett erkundet und jede Menge (hoffentlich irgendwann) nützlicher Gegenstände gesammelt hat, stellt sich das Gefühl Geistesblitz ein.
Anders als in vielen anderen Genre-Vertretern ist man – wie eingangs erwähnt – nicht allein unterwegs und so steht euch auch Froderick als mehr oder weniger höriges “Benutze-mit”-Objekt zur Verfügung. Arrogante Wasserspeiher und Monster in Seen sind dabei nur einige der Tücken die es im und um das Schloss zu bewältigen gilt.

Vollgepackt mit Sachen
Das Inventar präsentiert sich – wie könnte es anders sein – als praktischer Sarg-2-Go in der Edition Gucci oder Prada; ich kann mir nicht vorstellen was eine Frau von Welt, wie es Mona nunmal ist, sonst bei sich tragen sollte.
Mitgenommene Gegenstände finden sich jederzeit durch Rechtsklick der Maus wieder. Eine schöne Idee: Große und/oder befestigte Gegenstände werden nicht gleich mitgenommen; es erscheint lediglich ein Platzhalter im Sarg und sobald Mona bzw. ihr Spieler eine Anwendung des jeweiligen Gegenstands gefunden hat, wird das entsprechende Sperrgut flux auf Vampirart (*zu-Fledermaus-werd-PENG-hinflieg-Gegenstand-holen-PENG-zurückflieg-zu-Mona-werd*) an Ort und Stelle befördert. Wer will z.B. auch ein altes rostiges Schwert immer bei sich tragen?!
Ob die gemerkten Gegenstände über benannten Vampir-Transport auch interkontinental bewegt werden können, fragen wir noch beim Entwicklerstudio nach. UPS & co. müssen sich im Falle des Zutreffens warm anziehen.



Skip

Das Schloss wo Mona “lebt” ist von der Marke “800 m² und mehr – mit Seeblick”, was es erforderlich macht weite Strecken zu Fuß oder Flügel zurückzulegen. Eifrige Rätsellöser brauchen jedoch nicht jede Wegstrecke abwarten, sondern können den sprichwörtlichen Leerlauf durch Betätigen der “Leer”-Taste überspringen – eine nette Funktion die auch zum Abbrechen von Dialogen eingesetzt werden kann … also im Spiel jetzt.
 
Ieeehk! Ein Kreuz!
Eigentlich sollte man doch davon ausgehen, das ein Vampir per Definition das Cruzifix, auch bekannt als Kreuz, fürchten sollte. Wenn dem so ist, kann ich Mona nur wünschen, das sie das Interface der Spieler selbst nicht sehen kann, denn um Interaktionen wie “Spreche mit…”, “Nehme/Benutze”, “Fliege zu…” und “Sehe an” ausführen zu können, ist hierfür das Aufrufen eines solchen – zur Navigation umfunktionierten – Christensymbols erforderlich.
Wir können nur erahnen wie es der armen Mona ergehen würde, müsste sie vor jeder Aktion Angst um ihre Existenz haben.

Story Details, Grafik und Sound
Hach, eine Augenweide. Liebevolle Details findet man zu Hauf und so z.B. auch ein schickes Bild, welches Froderick für Mona gemalt und an den Spiegel gepinnt hat – Vampire haben schließlich kein Spiegelbild und so kann sie wenigstens in ihr skizziertes Antlitz blicken. Wie süß!  Manchmal ertappt man sich dabei, wie man einfach nur durch die Gänge und die Umgebung wandelt und den Blick schweifen lässt – die Grafik ist wunderschön und macht das Untot sein mit ihrem liebevollen Stil jargonfähig. Hier erblickt man das Können der ehemaligen Zeichner von Monkey Island 1 und 3  
Gepaart mit jede Menge Humor und einer stets passenden musikalischen Untermalung trumpft das gruselige Adventure zu jeder Zeit auf und gibt sich keine Blöse. Auch Verfechter von “Ich mag keine Adventures mit 3D-Figuren drin – ich will nur 2D-Charaktere” lassen sich hier eines Besseren belehren (wirklich erlebt – Ort: GamerGirls-Redaktion ;)).

Die Synchronisierung scheint sich zwar manchmal in der Zeitlinie vertan zu haben und gleitet so gelegentlich auf Home-Shopping-Niveau ab, jedoch sind die Stimmen an sich wunderbar auf die Charaktere abgestimmt – besonders ins Augen- oder vielmehr Ohrenmerk fällt hier Monas französischer Akzent – sehr weiblich, total verführerisch  
Froderick kommt hingegen sehr frech daher und die beiden ergänzen sich in ihren Dialogen wie ein eingespieltes Team – eine seltene Freude bedenkt man den Sumpf an gescheiterten Lokalisierungs-Versuchen anderer Spiele.


Fazit
A Vampyre Story ist ein wunderbares Adventure, das einen vom ersten Moment in seinen Bann zieht. Die Charaktere bezaubern durch ihre witzigen Dialoge und teilweise schrägen Antworten; das eine oder andere Mal fragt man sich aber auch über die Sinnhaltigkeit des gerade Gehörten. Die Rätsel sind nicht einfach und man muss viel herumknobeln – das soll hier jedoch in jedem Fall als positives Merkmal von AVS notiert werden.

Abgerundet durch die schlichtweg schöne Atmosphäre ist A Vampyre Story das perfekte Spiel für mich, um die kalten Winterwochen gemütlich in eine Decke gehüllt, zusammen mit Tee, Gebäck, Kerzenschein und einer Knoblauchkette um den Hals zu genießen.